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Unfertige Situation
Ernsthaftigkeit
Überschaubarkeit
Körpererfahrung
deriba
präsentiert
Merkmale
Unfertige Situation der Erlebnispädagogik
Wenn ich eine „Erlebnisreise“ plane und vorgebe, dass sich die Teilnehmer weder um den Ablauf noch um die Organisation kümmern müssen, dann habe ich eine fertige
Situation geschaffen. Wenn die Teilnehmer, wie im Beispiel, ihre Bergausfahrt selbst
in die Hand nehmen, dann spricht die Erlebnispädagogik von einer „unfertigen
Situation“. Unfertig bedeutet das Planbare selbst gestalten zu können und darauf
Einfluss zu nehmen. Die Situation hängt außerdem von äußeren, unplanbaren
Einflüssen ab. Hier im Beispiel der verspätete Zug oder die schlechte Kondition von
Ilona. Genau dies macht die Erlebnispädagogik so vielfältig. Wenn man noch weiter
geht, macht dies das Leben allgemein reicher und interessanter.
FÜRST bezeichnet diese Merkmale als »Die Dynamik der unfertigen Situation«
(FÜRST 1992, S. 34). Damit ist auch die Beeinflußbarkeit der Situation gemeint. Wie
reagiere ich auf diese Situation und wie führe ich sie zu Ende? »..., dass bereits
etwas angefangen wurde, dass etwas begonnen hat, Gestalt anzunehmen! Es muß deutlich werden, in welche Richtung die Entwicklung konstruktiv weitergehen
kann«
und weiter muss »... eine Struktur anzutreffen sein, die konstruktive
Gestaltungsmöglichkeiten vorweist«
(EBD ., S. 34-35). Dazu benötigt man einen
großen Erfahrungsschatz. Hat man ihn, entscheidet man entsprechend „gut“. Hat man
ihn nicht, kann man aus der Situation lernen und füllt den Erfahrungsschatz auf. Was
man erlebt erlernt, bleibt entsprechend besser haften, wie wir aus der HAHN’schen
Theorie wissen (vgl. Kapitel I B 3).
Doch „nur“ eine unfertige Situation als Merkmal alleine reicht nicht aus. Denn wenn
ich wie im Beispiel vor der Hütte ohne Schlüssel stehe, daneben ein Bauernhof ist, bei
dem ich übernachten könnte, dann kann ich die Situation „umbiegen“. Ich weiche, im
Sinne der Erlebnispädagogik, dieser „Ernsthaftigkeit in der Situation“ aus.